Michael Schumacher
STERN, 1992
Ob ich Lust hätte, einen unbekannten jungen deutschen Rennfahrer zu porträtieren, fragte mich Elisabeth Biondi, nachdem sie gerade aus New York nach Hamburg gekommen war, um die Photo-Direktion beim STERN zu übernehmen. Ich musste gestehen, dass ich bislang noch nichts von diesem jungen Mann gehört hatte. Aber Lust hatte ich natürlich schon, schließlich erinnerte ich mich an meine frühen Jugendjahre, die von einer extremen Begeisterung und Faszination für den Formel-1-Rennsport geprägt waren. Der Traum einer Rennfahrerkarriere spukte über Jahre in meinem Kopf, bevor sich mein Interesse dann später auf die Musik und letztendlich auf die bildenden Kunst verlagerte.
Und nun sollte ich also diesen jungen deutschen Rennfahrer begleiten, der gerade in der Formel-1 Fuß fasste. Für den Foto-Termin auf der Kart-Strecke in Kerpen-Manheim, wo Schumacher aufgewachsen war, hatte ich mir verschiedene Bildideen ausgedacht. Ich wollte, dass sein Manager und väterlicher Mentor Willy Weber ihn für ein Bild in seinem alten Kart auf der Strecke symbolisch anschiebt. Dazu hatte ich extra ein kleines Wägelchen gebaut, auf dem ich mich als Fotograf direkt vor Schumachers Kart von meinem Assistenten Werner ziehen ließ. Ulla rannte als zweite Assistentin parallel neben her, um das mobile Blitzlicht zu halten. Willy Weber in seinem feinen Zwirn fing plötzlich furchtbar an zu fluchen, denn das Kart war doch weitaus schwerer, als ich dachte. Ich feuerte ihn an, er solle sich anstrengen, fürs Bild bräuchten wir ein bisschen Tempo. Und Michael Schumacher saß derweil in seinem Kart und freute sich diebisch über seinen hinter ihm her keuchenden Manager.
Die Begegnung mit Michael Schumacher – zuhause bei den Eltern oder an der Rennstrecke in Silverstone – weckte bei mir plötzlich wieder die Faszination für den Rennsport. Viele weitere Reportagen, ob am Nürburgring oder in Le Mans, folgten. Besonders beeindruckten mich die Momente, wenn ich in speziellen Fahrzeugen als Fotograf mitfahren konnte. Die Fahrt mit Rallye-Weltmeister Walter Röhrl über den verschneiten Nürburgring werde ich nie vergessen – insbesondere als sein Handy klingelte, und er das Gespräch annahm. Mit einer Hand driftete er dann seelenruhig – dabei keineswegs langsamer – weiter durch die zugeschneiten Kurven des Nürburgrings.
Bei einer anderen Geschichte durfte ich in einer Porsche-Rennversion mitfahren, in die man für diesen Zweck extra einen zweiten Sitz eingebaut hatte. Bei dieser Fahrt über die Nürburgring-Nordschleife spürte ich den Unterschied zwischen den TV-Bildern der Formel-1 Inboard-Kameras, die uns in unsere heimischen Wohnzimmer geschickt werden, und dem wirklichen Erleben in einem Rennwagen: Die durch die Renn-Slicks ermöglichten Kurvengeschwindigkeiten erzeugen Fliehkräfte, die man sich nicht vorstellen kann. Ich erinnere mich, wie es mir in einigen Kurven, die ich vom eigenen Fahren auf dem Nürburgring ziemlich gut kenne, durch den Kopf schoss: »Nein, das geht nicht, hier kommen wir nicht durch, hier fliegen wir ab.« Doch der Porsche klebte quasi mit den Slicks auf dem Asphalt. Am Adenauer-Forst fragte ich mich, warum diese Kurve auf einmal nach außen geneigt war – das war sie doch nie! Und dann erst realisierte ich, dass es die unsäglichen Fliehkräfte waren, die in mir diesen Eindruck erzeugten. Meine nicht speziell für diesen Zweck trainierte Halsmuskulatur konnte einfach den Kräften nicht standhalten.
Nach dieser Fahrt war mir klar geworden, dass es mit einer Rennfahrerkarriere, zumindest in diesem Leben, nichts mehr wird, und ich dann doch wohl eher bei der Fotografie bleiben werde.
Racing driver Michael Schumacher
STERN-Magazine, 1992
Elisabeth Biondi asked me if I would like to take a portrait of an unknown young German racing driver after she had just arrived in Hamburg from New York to take over as photo director at STERN. I had to admit that I hadn't heard of this young man before. But of course I was keen, as I remembered my early youth, which was characterised by an extreme enthusiasm and fascination for Formula 1 racing. The dream of a career as a racing driver haunted my mind for years before my interest later shifted to music and ultimately to the visual arts.
And now I was to accompany this young German racing driver who was just gaining a foothold in Formula 1. For the photo session on the kart track in Kerpen-Manheim, where Schumacher had grown up, I had come up with various ideas for pictures. I wanted his manager and fatherly mentor Willy Weber to symbolically push him around the track in his old kart for a picture. I had built a little trolley especially for this purpose, on which my assistant Werner pulled me as a photographer directly in front of Schumacher's kart. Ulla ran alongside as a second assistant to hold the mobile flash. Willy Weber in his noble suit suddenly started swearing terribly, because the kart was much heavier than I thought. I cheered him on, telling him to make an effort, we needed a bit of speed for the picture. Meanwhile, Michael Schumacher was sitting in his kart and was delighted to see his manager panting behind him.
The encounter with Michael Schumacher – at home with his parents or at the race track in Silverstone – suddenly reawakened my fascination for motor racing. Many more reports followed, whether at the Nürburgring or at Le Mans. I was particularly impressed by the moments when I was able to ride along as a photographer in specially modified vehicles. I will never forget the drive with rally world champion Walter Röhrl over the snow-covered Nürburgring – especially when his mobile phone rang and he answered the call. With one hand, he then calmly drifted on through the snow-covered bends of the Nürburgring – without slowing down at all.
In another story, I was allowed to ride in a Porsche racing version in which a second seat had been specially installed for this purpose. During this drive around the Nürburgring-Nordschleife, I felt the difference between the TV images from the Formula 1 inboard cameras that are sent to our living rooms at home and the real experience in a racing car: the cornering speeds made possible by the racing slicks generate centrifugal forces that you can't imagine. I remember how, in some corners that I know pretty well from my own driving on the Nürburgring, it flashed through my mind: »No, that won't work, we can't get through here, we'll fly off here.« But the Porsche practically stuck to the tarmac with the slick tyres. At Adenauer-Forst, I asked myself why this bend was suddenly leaning outwards – it never was! And only then did I realise that it was the unspeakable centrifugal forces that were giving me this impression. My neck muscles, which were not specially trained for this purpose, simply couldn't withstand the forces.
After this trip, I realised that a career as a racing driver, at least in this life, was no longer on the cards and that I would probably stick to photography.




